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Einfach einzigartig in Deutschland
Allgemeine Zeitung Alzey:von Sigrid Scheel
Leben Arbeiten und Sport treiben in der rheinhessischen Schweiz führt offenkundig zum Erfolg. Mit einer Silbermedaille um den Hals kehrte Britta Näpel aus Athen in ihren Wohnort nach Wonsheim zurück. Als Teilnehmerin der Paralympischen Spiele 2004 gewann sie mit dem Wallach "Loverboy" Mannschafts- Silber im Dressurreiten.
Näpel ist für den Verein IG Therapeutisches Reiten Rhein- Main tätig. Wirkungsstätte des Vereins ist das Zentrum in Wonsheim. Dort arbeitet die 38- jährige als Pferdewirtschafterin und Ausbilderin im Reiten als Sport für Behinderte. Pferde waren für sie schon als Kind eine Leidenschaft, doch die Vergiftung durch ein Desinfektionsmittel lässt sie seit 1998 an einer spastischen Lähmung leiden. Ermutigt durch die behutsamen Therapieformen im Reitsport für Behinderte kam sie 2002 wieder zur Reiterei zurück. Heute ist sie Geschäftsführerin des Vereins und führt gemeinsam mit der Vorsitzenden Dr. Susanne Fieger das Therapie- und Ausbildungszentrum in Wonsheim.
120 Menschen kommen jede Woche hierher. Schwerpunkt der Hippotherapie: krankengymnastische Behandlung auf besonders ausgebildeten Pferden. Daneben wird Reiten als Rehasport und Leistungssport für behinderte Reiter und Voltigieren als heilpädagogisches Reiten angeboten. Die Ausbilderinnen Näpel und Fieger werden im Team unterstützt durch eine Krankengymnastin und eine ernergetische Osteopathin sowie zwölf ehrenamtlichen Helfern, die die Pferde Satteln, aufwärmen und führen. 26 Pferde und Ponys befinden sich im Besitz der Reitanlage. 14 davon werden derzeit eingesetzt. Die restlichenn Vierbeiner werden über mehrere Jahre zu Therapiepferden ausgebildet.
Durch die dreidimensionale Schwingung des Pferdekörpers werden einerseits Spastiken und Blockaden gelöst und andererseits Muskulatur und Wirbelsäule der behinderten Reiter gestärkt. Mit dem Elektrolifter können auch sehr schwer gelähmte Personen ohne Angst auf das Pferd übersteigen. Der Hallenboden ist mit einem speziellen Belag gefüllt, der optimale Trainingsmöglichkeiten für Pferd und Reiter bildet.Die teure Spezialausrüstung, die Ausbildung und die Betreuung der Pferde will bezahlt werden. Zwar gibt es Zuschüsse vom Landes- und Behindertensportbund, doch nur über Spenden und die unentgeltlichen Arbeiten der Ausbilder und Helfer können die Kosten niedrig gehalten werden. Somit kann sich der Reiter die Therapieeinheit leiten, die er in der Regel selbst bezahlen muss.
Die beiden Pferdeliebhaberinnen planen für weitere Behandlungsschwerpunkte Studien in Zusammenarbeit mit der Universität Mainz. Wissenschaftliches Arbeiten gehört zu den Aufgaben von Susanne Fieger, die als Oberärztin im Kreiskrankenhaus in Kirchheimbolanden arbeitet. In den Lehrgangsräumen im Zentrum für Therapeutisches Reiten werden Kurse für angehende Fachkäfte, nicht behinderte Pferdefreunde und Urlaubsreiten für Behinderte angeboten. Das Hotel "Zum Ochsen" in Wonsheim ist von Seminarteilnehmern aus ganz Europa durchgehend belegt.
Das rheinhessische Dorf ist mit dem Therapiezentrum die einzige deutsche Fortbildungsstelle für Fachkräfte im Behindertenreitsport und Trainingsstätte der Paralympicsteilnehmer im Dressurreiten.
Britta Näpel
Aus: Therapeutisches Reiten 2/04- 31. Jahrgang
Britta Näpel ist 38 Jahre alt und wohnt in Wonsheim/ Rheinland- Pfalz. Die gelernte Pferdewirtschaftsmeisterin Zucht und Haltung sowie Augenoptikerin ist Geschäftsführerin eines Therapeutischen Ausbildungszentrums. Seit einer Vergiftung durch Desinfektionsmittel im Jahr 1998 leidet sie an spastischen Lähmungen- vor allen Dingen in den Beinen- und reitet in Grade II. Mit 14 Jahren kam sie zum Reitsport und war bis zu ihrem Unfall vor allen Dingen in der Vielseitigkeit aktiv. Über die Hippotherapie kam sie 2002 wieder zur Reiterei und nimmt seit 2003 als Dressurreiterin im Behindertensport wieder an Turnieren teil. In der recht kurzen Zeit konnte sie bereits einen dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft der Reiter mit Behinderung 2003 in Lingen erzielen. Als bedeutendste Förderer nennt Frau Näpel die Firma Lexa (Futtermittelhersteller) sowie Frau Patricia Lenhartz, die ihr den 14- jährigen Mecklenburger Wallach
Loverboy zur Verfügung stellt.
Loverboy stammt von dem Brandenburger Lukas und ist aus einer Astor- Mutter. Er ist in der Dressur bis zur Klasse M ausgebildet uns steht der Reiterin seit September 2003 zur Verfügung. Er eignet sich vor allen Dingen aufgrund seiner Feinfühligkeit und Leistungsfähigkeit sowie seiner hohen Intelligenz sehr gut für die Reiterin.
Loverboy wurde Frau Näpel spontan für die Deutschen Meisterschaften von Frau Lenhartz zur Verfügung gestellt. Das Reiten gibt ihr das Gefühl der perfekten gesellschaftlichen Integration.